Boarderlines – Andi beim Surfen einer Welle | SOMEWHERE ELSE
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Boarderlines: Surfabenteuer zwischen Fernweh und Vernunft

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Andreas Brendt schreibt in seinem Buch Boarderlines bildlich und ergreifend über seine Reisen rund um die Welt, seine Surfabenteuer und die Frage nach dem Sinn des Lebens. Vernunft und Fernweh treffen wiederholt aufeinander und bringen ihn abwechselnd zu Höhenflügen und Krisen.

Wir sprechen über Erfahrungen auf Reisen, Liebeskummer, Rückschläge, Fernweh, die schönsten Orte zum Surfen auf der Welt und über das Gefühl „stoked“ zu sein.

Du hast das Buch auch gelesen? Reise noch einmal mit uns um die Welt. Du kennst das Buch noch nicht? Lass dich ein auf Fernweh, die Sehnsucht nach Abenteuern und die Suche nach dem Sinn des Lebens. Oder suchst du nach einem besonderen Ort zum Surfen? Auch diesen hat Andi mir verraten.

So oder so, viel Spaß beim Lesen!

Boarderlines – Autor Andreas Brendt | SOMEWHERE ELSE

Fernweh, Abenteuer oder vernünftig sein?

Freut mich, dass du dir heute Zeit genommen hast für mich und wir über dein Surfbuch „Boarderlines“ sprechen. Meine erste Frage an dich soll auch einen kurzen Einblick in das Buch geben. Stell dir vor, du möchtest eine*n Freund*in davon überzeugen dein Buch zu lesen. Was würdest du erzählen?

Ich würde sagen, dass es ein Buch zum Miterleben ist. Als ich es geschrieben habe, war mein Ziel, dass die Momente und Situationen, die im Buch vorkommen, sehr spürbar werden. Das war mir am wichtigsten und so baut sich das Buch über mitreißende Anekdoten aus der ganzen Welt auf.

Das Ganze eingebettet in eine Rahmenhandlung, die uns wahrscheinlich alle betrifft. Jeder kennt das, man ist ein bisschen hin- und hergerissen, ob man gesellschaftlichen Konventionen entsprechen soll, also einem klassischen Job nachgehen oder das, worauf man gerade Bock hat. Besonders schwierig wird es, wenn man eine neue Leidenschaft entdeckt, so wie in meinem Fall das Surfen. Das führt zu einem inneren Kampf, der später in der Rahmenhandlung eine Rolle spielt.

Beides trifft ganz gut den Zahn der Zeit. Einerseits dieses Erleben und anderseits dieses Ringen, was soll ich aus meinem Leben machen. Das habe ich im Buch versucht so zu verbinden, dass es Spaß macht.

Das stimmt. Das sind direkt auch die beiden Themen, die mich an deinem Abenteuerbuch so gepackt haben. Dieses Entdecken, dieses Losziehen in die Welt, um einer neuen Leidenschaft nachzugehen. Gleichzeitig immer wieder das Zurückkommen und das Hin- und Hergerissensein. Die ständige Frage: Was ist der Ort, wo ich sein möchte, um etwas aus meinem Leben zu machen?

Ist das auch der Grund, warum du das Buch „Boarderlines“ geschrieben hast? Deine Erfahrungen zu sammeln und an andere Menschen weiterzugeben, wie man damit umgehen kann?

Eigentlich weniger. Ich schreibe nicht so sehr mit erhobenem Zeigefinger. Für mich stand das Erleben ganz vorne.

„Der Leser soll lauthals lachen, staunen oder zittern.“

Trotzdem wäre es mir zu langweilig gewesen, nur die Anekdoten zu beschreiben. Also musste es eine Form von Rahmenhandlung geben, die zufällig etwas war, das andere auch so kennen. Aber das war weniger meine Intention. Ich finde es wichtig, dass die Leute Spaß haben mit dem Buch und ich will nicht in erster Linie zum Nachdenken anregen, auch wenn das natürlich passiert und dann schön ist.

Für mich ist es total spannend, wie den Leuten das Buch gefallen hat, was es ausgelöst hat. Am Anfang habe ich in E-Mails noch korrigierend eingegriffen, wenn jemand das Buch anders verstanden hat, als ich mir das gedacht habe. Damit habe ich schnell wieder aufgehört, weil ich gemerkt habe, jeder liest das Buch anders, findet etwas anderes in den Kapiteln.

Ich wollte zum Beispiel das Reisen auch ein bisschen entglorifizieren und sagen, dass man auch sehr glücklich werden kann, wenn man etwas völlig anderes macht. Die allermeisten verstehen das jedoch ganz anders: Reisen ist das Beste. Die geschriebenen Worte sind fünfzig Prozent und der Rest sind die Gehirnwallungen des Lesers. Das Buch soll Spaß machen. Wenn Leute mir schreiben, was darüber hinaus passiert, sie ihren Job kündigen, finde ich das sehr spannend, aber das war weniger meine Intention.

Das ist interessant. Das Lesen hat auf jeden Fall Spaß gemacht, weil das Buch so bildlich geschrieben ist. Das war toll, um mit dir einzutauchen. Aber es hat bei mir auch diesen Gedankengang ausgelöst und ich habe mich in vielen Punkten wiederentdeckt.

Lass uns ein bisschen mehr ins Buch eintauchen. Gibt es für dich eine Lieblingsstelle oder Lieblingsgeschichte? Ich habe mir auch Gedanken darüber gemacht, was meine Lieblingskapitel waren. Das waren Peru, 2000 „Ohne Worte zur längsten Welle der Welt“, was für mich eine Erfüllung schlechthin ist in Bezug auf das Reise-Surf-Erlebnis. Später Sumbawa 2004 „Kann man unter Wasser weinen?“, eine Art Wende, sowohl vom Surfen als auch von dem, was du in deinem Leben machen möchtest. Zum Schluss Chile, 2004 „Ein letzter Trip, der zurück zum Anfang führt“, das Happy End, bei dem es plötzlich ganz klar ist, wie es in deinem Leben weiter gehen soll.

Ich habe im ersten Buch ein paar Lieblingsstellen, aber es ist nicht so, dass diese für mich total herausstechen.

„Ich mag das Buch als Ganzes, weil jede Reise unterschiedlich ist, jede Reise etwas ganz anderes hat.“

Natürlich hat jeder Lieblingsstellen. Dabei freut mich besonders, dass es immer andere sind.

Das Perukapitel gefällt mir auch total gut. Zum einen, weil es mir, glaube ich, sprachlich ganz gut gelungen ist. Zum anderen, weil es natürlich im Buch in einer Phase passiert, in der alles sehr leicht ist. Die Konflikte vom Anfang, was soll ich aus meinem Leben machen, sind überwunden. Ich habe das Studium zu Ende gemacht und habe dann entschieden: jetzt darf ich reisen, jetzt darf ich machen, was ich möchte. Diese Leichtigkeit steckt auch in der Reisebeschreibung. Es passiert natürlich trotzdem viel Mist, aber alles auf dem Grund einer Leichtigkeit.

Das spürt man. Man wird sogar als Leser wie auf einer Welle mitgerissen und alles entwickelt sich plötzlich viel leichter.

Im hinteren Teil gibt es eine Phase, in der ich mit vielen Rückschlägen zu kämpfen habe. Es gibt diesen starken Liebeskummer und auch in den Wellen läuft es nicht so, wie ich mir das erträumt habe. Dadurch bekommt das Buch eine Schwere. Das ist ganz schön, weil der Leser wieder aus der heilen Welt herausgerissen wird, vielleicht wird er auch ein bisschen wach gerüttelt. Es kann nicht immer so mit dieser leichten Schönheit weitergehen.

Ich mag die Stellen weiter hinten, gerade das mit dem Liebeskummer, weil die für mich beim Schreiben sehr emotional waren. Wenn ich so etwas beschreibe, du hast ja schon von der bildlichen Sprache gesprochen, durchlebe ich immer alle Momente noch einmal.

„Ich versuche mich daran zu erinnern bis ich es wirklich fühle und erst dann bringe ich es zu Papier.“

Beim Liebeskummer war das für mich total traurig und sehr interessant, was beim Schreiben mit mir passiert.

Du hast es schon so ähnlich beschrieben, wie ich es vielleicht auch gedacht habe. Diese Rückschläge sind natürlich ganz wichtig, weil man viel über sich selbst lernen kann. Sie sind wie ein Wegweiser für mich gewesen und haben den Weg nach Hause geebnet. Als dieser Konflikt überstanden war und ich mir selbst wieder erlaubt habe, nach Deutschland kommen zu dürfen, ist diese letzte Reise nach Chile wieder ähnlich befreit wie die Perureise. Das sind die beiden Reisen, die im Anschluss an den inneren Konflikt mit ganzer Leichtigkeit aufwarten können.

Was ich auch sehr gut nachempfinden konnte, sind die Stellen in Boarderlines, als du von deinen Surftrips wieder zurück nach Deutschland kommst: Das sich fehl am Platz fühlen, den Stillstand wahrzunehmen, alles ist beim Alten geblieben in Köln. Dazu kommt das Gefühl von Fernweh und die Sehnsucht wieder ans Meer zu kommen. Kennst du das Gefühl heute noch oder hat sich das über die Jahre geändert?

Das hat sich total geändert. Ich lebe mittlerweile sehr gerne in Köln. Wenn ich länger unterwegs bin, freue ich mich total auf das Nachhausekommen. Das hätte es früher nicht gegeben. Ich kann die Zeit in Köln jetzt viel mehr genießen.

„Es war sehr viel Reisen nötig, um das zu finden.“

Mittlerweile bin ich gar nicht mehr gerne so richtig lange weg. Sechs Monate wären mir schon fast zu lang.

Im Kleinen kommt das Gefühl dann trotzdem wieder. Ich war vor Kurzem in Mexiko, bin noch gar nicht so lange wieder zurück und gerade freue ich mich total darauf bald wieder zwei, drei Wochen wegzufahren. Aber es ist einfach viel besser geworden. Für mich hängt das auch sehr stark damit zusammen, dass man unterwegs häufig nicht arbeiten muss und diese Befreiung ist etwas, das mir im Moment fast wichtiger ist.

Wohingegen es früher so war, dass ich jede Chance ergreifen wollte zu surfen, weil ich immer so eine Angst hatte „Oh Gott, du hast nur noch zehn oder fünfzehn Jahre, dann ist das vorbei. Du musst unbedingt jeden Tag dafür nutzen“. Das hat sich gewandelt und ich bin ruhiger geworden. Ich reise immer noch super gerne, kenne wieder dieses Gefühl der Vorfreude ganz stark, aber es hat etwas an Dramatik verloren. Hätte ich mir früher ein Bein gebrochen und es hätte mir jemand gesagt, ich müsste in einer potenziellen Urlaubszeit zu Hause bleiben, wäre eine Welt zusammengebrochen. Mittlerweile ist das etwas besser geworden.

Gut zu wissen, dass sich das etwas entspannt mit der Zeit. Du hast gerade erwähnt, bald geht es schon wieder los. Wo geht es als Nächstes hin?

Ich habe noch nichts entschieden. Die Herbstferien sind immer mein Europatrip oder Marokko. Das mache ich recht kurzfristig.

Boarderlines – Andi beim Surfen einer Welle mit Drop | SOMEWHERE ELSE

Besondere Orte zum Surfen: Ein Miniguide

Hast du einen Lieblingsort zum Surfen? Gibt es diesen einen Ort?

Ich bin seit fast zehn Jahren mindestens einmal im Jahr in Mexiko. In Rio Nexpa, das ist im Bundesstaat Michoacan. Der Ort ist wie eine zweite Heimat für mich geworden. Dort kenne ich viele Leute, die Wellen sind unheimlich gut und ich fahre total gerne hin. Außerdem ist Indonesien ein Land, in dem ich auch schon zehn Mal war, auch in den letzten Osterferien. Das sind die beiden Länder, die ich am liebsten bereise. Die gefallen mir so gut, dass es fast schwer wird, Länder zu bereisen, in denen ich noch gar nicht war, was ich mir eigentlich einmal pro Jahr vorgenommen habe.

Wenn du jetzt eines von den beiden wählen müsstest, um eine Art Miniguide zu erstellen, welches würdest du nehmen? Ein Ort in Indonesien oder in Mexiko?

Man kann nicht sagen, dass das eine besser oder schlechter ist. Ich mag sehr den Wechsel, weil die Kulturen so unterschiedlich sind. Das Lateinamerikanische ist ein ganz anderes Flair als das exotisch Indonesische.

Dann wir nehmen einfach beide Ziele. Wo würdest du empfehlen zu übernachten?

In Rio Nexpa würde ich auf jeden Fall zu Chicho gehen, den kennt dort jeder. Man kann dort für sieben, acht, neun Euro die Nacht seine eigene Hütte direkt an der Wasserkante bekommen, mit einer kleinen Küche und schon hat man alles, was man braucht. Hier lebt man circa zwanzig Meter vom Wasser entfernt und hat eine kleine Terrasse mit Hängematte. Da kann ich stundenlang liegen und auf die Wellen schauen. Es ist ein sehr ruhiger Ort. Es gibt keine Diskotheken oder größeren Geschäfte.

„Es ist einfach ideal, wenn man entspannen und surfen möchte.“

Das klingt traumhaft. Ein Essenstipp dort?

Das Essen ist immer sehr ähnlich. Eier, Reis und Bohnen und wer möchte, kann Fisch oder Fleisch dazu essen. Das gibt es jeden Tag. Meistens geht mir das nach einer Woche auf den Wecker, dann mache ich mir Nudeln mit Tomatensoße, kaufe mir Gemüse auf dem Markt und bin total happy über die Abwechslung. Ansonsten kann man in allen Restaurants dort superlecker essen.

Gibt es etwas vor Ort, was du empfehlen würdest außer dem Surfen? Oder ist das ein Ort, an den man nur zum Surfen kommt?

Eigentlich würde ich sagen, das ist nur ein reiner Ort zum Surfen. Es gibt aber auch eine kleine Miniramp. Als Skateboardfahrer kann man in der Hitze skaten gehen. Ganz selten wird dort ein bisschen Fußball gespielt.

Gibt es einen besonderen Ort, um schöne Momente zu erleben?

Zwanzig Minuten entfernt gibt es einen schönen Wasserfall. Da kann man in der Regenzeit hingehen. Fünfundvierzig Minuten entfernt gibt es heiße Quellen. Man muss mit dem Bus zu einem ausgetrockneten Flussbett fahren. Dann eine Stunde bis eineinhalb Stunden das Flussbett entlang stiefeln, bis man zu einem kleinen Canyon kommt, in dem sich das Wasser staut und von der Seite fast kochend heißes Wasser zuläuft. Man kann im heißen Wasser liegen und in der Mitte schwimmen. Das Schöne daran ist, dort gibt es keine Schilder, keine Touristeninformation. Man ist also völlig in der Natur und ich glaube auch nicht, dass dort viele Menschen hingehen. Das hat mir dieser Chicho mal erzählt und das war ein ganz besonderes Erlebnis.

Das klingt sehr schön. Jetzt also das Gleiche noch einmal für Indonesien. Hast du dort auch einen bestimmten Ort oder sind das mehrere?

In Indonesien habe ich mittlerweile sehr viele Inseln abgeklappert. Ich gehe nicht mehr so viel nach Bali, weil mir dort zu viel Trubel ist und die Insel zu voll geworden ist. Ich mag diese Inseln, die vor Sumatra liegen. Die Mentawai Inseln oder Nias. Gerade die Mentawai Inseln sind weit ab vom Schuss, das ist einfach traumhaft schön.

Mit einer Fähre setzt man in zwölf Stunden über und ist wirklich im Nichts. Das ist immer noch recht günstig möglich. Der Weg dahin ist ein bisschen anstrengend, aber man bekommt etwas vom Alltagsleben in Indonesien und den netten, lustigen Menschen mit.

„Wenn man einmal da ist, ist man schlicht und ergreifend im Paradies.“

Da gibt es nichts. Auf der Insel Nyang Nyang, auf der ich dann war, gibt es keinen Millimeter Beton, nur ein paar Holzhütten. Man muss sich den Weg durch den Dschungel schlagen, wenn man zu den Wellen will. Das macht, glaube ich, jedem Spaß und es ist einfach schön.

Hast du dort auch einen Übernachtungstipp oder gibt es dort sowieso keine große Auswahl?

Alle Leute, die mich fragen, schicke ich in Brigitte’s Guesthouse in Padang. Das ist die große Stadt, in die man fliegt, um von dort weiterzukommen. Brigitte kümmert sich dann um alles. Sie kauft das Fährticket und sorgt dafür, dass man zeitig in die Fähre kommt. Dann wird man an einem Strand rausgeworfen und man denkt zuerst, dort ist nichts, ich bin auf einer einsamen Insel verloren. Aber dann kommen ein paar Gestalten aus dem Dschungel. Das sind die drei, vier Familien, die dort Leute aufnehmen und man kann sich jemanden aussuchen. Ich habe bei Bide gewohnt, total toll, aber das ist es bei den anderen wahrscheinlich auch.

Isst man dort einfach mit der Familie?

Genau. Es ist etwas günstiger, wenn man sich sein eigenes Essen kauft und es sich kochen lässt, da es vor Ort keine Geschäfte gibt. Ob ich das noch einmal machen würde, um am Tag drei Euro zu sparen, weiß ich nicht. Aber es war auch ganz aufregend fünf, sechs große Kartons mitzunehmen mit zwanzig Eiern und Gemüse. Ich weiß noch, wie ich auf dem Markt war und die alten Frauen gefragt habe, was ich für Nasi Goreng brauche und sie mir beim Einkaufen geholfen haben. Das habe ich in der Küche abgegeben und mir wurde jeden Tag etwas daraus gekocht.

Gibt es dort Aktivitäten außer dem Surfen?

Man kann am Strand herumlaufen und kann sich theoretisch Schnorchelsachen mitnehmen, weil es dort schöne Riffe gibt. Ansonsten gibt es nur das Surfen.

Gibt es dort auch einen besonderen Ort wie in Mexiko?

Das ist eine fast unbewohnte Insel, über die man spazieren und die Natur entdecken kann, um zu sehen, was dort wächst und gedeiht. Es ist unglaublich paradiesisch schön.

Surfen für Anfänger

Welchen Ort zum Surfen würdest du Anfängern empfehlen? Surfschule oder ins kalte Wasser springen, wie du es gemacht hast?

Ein bisschen Basics lernen in einer Surfschule ist eine feine Sache. Man bekommt sehr viele Dinge erklärt, die ich mir etwas aufwendiger zusammensuchen und lernen musste. Das würde ich jedem empfehlen. Mit anderen zusammen kann das auch viel Spaß machen. Man bekommt das richtige Material und auch ein paar Tipps von den Profis.

In Europa gibt es mittlerweile unglaublich viele Surfcamps. Für mich ist es schwierig, etwas zu empfehlen, weil das immer davon abhängt, wer dort gerade arbeitet, wie engagiert die Surflehrer sind. Ich habe mal im Liquid Surfcamp in der Nähe von Santander in Spanien gearbeitet, das hat mir sehr gut gefallen. Das ist eine angenehme Bucht, weil die Wellen sehr sanft sind und es wenig Strömung gibt. Das wäre ein Ort von vielen, an dem man gut starten kann.

Zum Thema Surfgepäck, was darf in deinem Gepäck nicht fehlen und ist immer dabei?

Ich habe immer die Surfbretter dabei, zwei oder drei Leashes, das sind diese Fangleinen. Wachs, Finnen und das ist es dann schon. Je nachdem, wo es hingeht, muss man dann nur eine Short oder einen Neoprenanzug einpacken, sowie Sonnencreme. Ich habe noch Zinkpaste dabei, wenn die Sonne besonders stark ist oder man wunde Stellen vom Paddeln bekommt. Das ist alles, was man braucht. Es macht auch ein bisschen den Reiz aus, dass man relativ wenig Material für diesen Sport mit sich herumschleppt.

Wie sieht bei dir ein typischer Tag beim Surfen aus?

Ich bin ein extremer Frühaufsteher. Ich bin immer schon wach bevor die Sonne aufgeht und versuche wirklich mit dem allerersten Licht surfen zu gehen, weil es dann noch ein bisschen leerer ist und der Sonnenaufgang mit die schönste Zeit vom Tag ist. Diese vom Wasser aus zu erleben, ist etwas ganz Tolles. Dann surfe ich zwei, drei Stunden. Danach frühstücke ich, mache eine kurze Pause und gehe meistens schnell noch einmal surfen. Das hängt mit den Windverhältnissen zusammen, weil an den meisten Ecken dieser Erde ab Mittag die Windverhältnisse ungünstig werden. Dann kann es sein, dass ich den Rest des Tages nicht mehr viel mache, außer zu lesen.

Es sei denn, wenn die Wellen besonders herausragend sind, gehe ich abends noch ein drittes Mal surfen. Wenn ich länger unterwegs bin, schaffe ich es körperlich aber nicht länger als fünf Stunden zu surfen. Den Rest des Tages brauche ich dann zum Regenerieren und mache einen Hängemattenmarathon.

Was das Surfen so faszinierend macht

Beschreibe einmal dieses Gefühl, das das Surfen so besonders macht. Das Gefühl stoked zu sein. Wie würdest du jemandem dieses Gefühl beschreiben, der das noch nicht kennt?

Zunächst einmal ist es eine Begegnung mit der Natur. Man sitzt im Wasser, ist den Wellen nah. Das allein hat schon einen gewissen Zauber. Das Zweite, was diese Faszination ausmacht, ist, dass man sehr fokussiert und konzentriert sein muss. Im Idealfall gelingt es dem Surfer, seine Gedanken auszuschalten, weil man so damit beschäftigt ist, wo ist die Welle, wann kommt die nächste Welle, wo muss ich hinpaddeln. Wenn es dann so weit ist, muss jeder Paddelzug einigermaßen stimmen. Reitet man diese kurze Zeit auf der Welle, denkt man nicht darüber nach, wann man das nächste Mal das Bad putzt oder was man im Job nicht vergessen darf. Es befreit vom alltäglichen Gedankendreck und das ist total heilsam.

Ansonsten sind die Wellen natürlich eine Naturgewalt. Energie spielt eine Rolle, gerade wenn man eine etwas kräftigere Welle hat, die einen entweder durch die Gegend wirbelt oder etwas schneller durch die Welle surfen lässt. Das ist auch ein Aspekt.

Für mich hat es auch noch viel mit Akzeptanz und Vergänglichkeit zu tun, weil man den Wellen nicht sagen kann, wie sie zu sein haben. Sie sind so, wie sie sind und man muss immer schauen, ob man diese Welle möchte oder nicht. Man kann nicht in die Turnhalle gehen, Licht anmachen und sich sein Badmintonfeld aufbauen, sondern man muss sich mit dem auseinandersetzen, was man bekommt. Zum Thema Vergänglichkeit, wenn man eine Welle geritten ist, dann war es das. Sie ist ausgelöscht und kommt nie wieder zurück. Man muss den Moment genießen und hat nichts davon nachher auf dem Bankkonto. Man macht es nicht wegen eines Zwecks, sondern nur der Sache wegen.

Das ist glaube ich sehr lehrreich für unser Leben, weil ich mich doch sehr häufig dabei ertappe, dass ich Dinge mache, um etwas anderes zu erreichen. Das fällt beim Surfen flach. Denn wenn der Ritt zu Ende ist, war es das. Es bleibt nichts über.

„Genauso wie mit diesem Leben. Wenn das irgendwann einmal vorbei ist, nehmen wir nichts mit und hoffentlich haben wir die Zeit bis dahin genossen.“

Das finde ich schön, dass du das sagst. Weil ich durch das Reisen auch immer wieder merke, dass es eigentlich darum geht, Erfahrungen zu sammeln, die so wertvoll sind und eben nicht das Anhäufen von Geld auf dem Konto.

Toll, dass du auch gesagt hast, dass man die Gedanken beim Surfen abschalten kann. Ich habe meine ersten Surfversuche hinter mir und das ist die erste Aktivität, bei der ich das Gefühl hatte, ich habe tatsächlich nicht nachgedacht. Ich habe es geschafft abzuschalten und mich nur darauf zu konzentrieren, was ich gerade im Wasser mache. Das ist glaube ich das, was sehr viele am Surfen fasziniert. Ich gehe auch tauchen und dabei habe ich viel Ruhe, aber auch viel Zeit zum Nachdenken. Beim Surfen ist das tatsächlich anders.

„Ich sage immer, Surfen ist ein Stück weit eine der schwierigsten Sportarten der Welt, aber vielleicht die einfachste Möglichkeit den Gedankenapparat auszuschalten.“

Wie du sagst, ich kenne das auch selbst, beim Joggen oder Meditieren ist es sehr schwierig und beim Surfen ist es ein sehr schönes Beiprojekt.

Auch ein schöner Gedanke, die Verbindung zur Natur und die Vergänglichkeit. Daran kann man sich einfach bewusst machen, welchen Wert die eigenen Erfahrungen haben.

„Im ersten Moment ist Vergänglichkeit sehr frustrierend, weil nichts bleibt. Aber eigentlich zeigt sie einem eine besondere Schönheit. Das ist das, was man beim Surfen lernt.“

Das war der erste Teil unseres Gesprächs. Bald geht es weiter mit Teil 2 und mehr über die Liebe, den Schlüssel zum Glück, das Gedankenkarussel, und was an einem perfekten Tag nicht fehlen darf.

Welche Gedanken und Fragen hast du zum Buch, zum Thema Surfen? Hinterlasse einfach einen Kommentar.

Boarderlines – Das Buch im Sand | SOMEWHERE ELSE

Fotos © Andreas Brendt

Illustration – Reiseblog | SOMEWHERE ELSE

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2 Kommentare

  1. Sehr schönes Interview, das in die Tiefe geht. Nicht nur spannend für Surf-Freunde. Andi ist ein gutes Beispiel dafür, wie man nach seinen eigenen Regeln lebt und das Reisen für sich nutzen kann, um sich eine kindliche Freude und Neugier an der Welt zu bewahren. Als Ergänzung ist vielleicht auch das Podcast-Interview „Auf der Welle des Lebens zwischen Strand und Sinnsuche“

    http://gatesieben.de/podcast/andreas-brendt-boarderlines-fuck-you-happiness/

    • Lieber Kai,

      vielen Dank für deinen Kommentar und es freut mich, dass dir das Interview gefallen hat. Ich fand das Gespräch mit Andi auch sehr spannend für alle individuell Reisenden. Die Bücher und das Gespräch haben auch mich zum Nachdenken über meine eigenen Reisegewohnheiten, die Verbindung von Reisen und Alltag angeregt, denn ich habe immer wieder Parallelen zu meinen eigenen Erfahrungen entdeckt. Andi hat für sich einen guten Weg gefunden sein Leben mit dem Reisen zu verbinden und ist damit sicher Vorbild für viele andere. Auch ich bin der Meinung, dass jeder auf sein Herz hören und so leben sollte, wie es einem gut tut. Und in Verbindung mit Reisen ist das umso schöner, denn auf der Welt gibt es so viel zu entdecken und so viele Erfahrungen zu sammeln.

      Danke auch für den Hinweis zu deinem Podcast, der sicher auch eine schöne Ergänzung für meine Leser ist.
      Ich wünsche dir viel Freude und Erfolg damit!

      Alles Liebe
      Yvonne

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