Winter in Oslo – Flughafen im Schnee | SOMEWHERE ELSE
FERNWEHKOST

Winter in Oslo oder eine missglückte erste Begegnung

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Kennst du das? Du lernst jemanden kennen und obwohl du alles versuchst, werdet ihr nicht warm miteinander. Sie ist nett, keine Frage, aber trotzdem springt der Funke nicht über, sie ist mit mir nicht auf einer Wellenlänge. Eigentlich bin ich ziemlich überrascht, kenne ich doch schon zwei ihrer Freundinnen, mit denen ich mich super verstehe. Aber mit ihr finde ich einfach kein gemeinsames Thema. Schade, wir hätten bestimmt eine tolle Zeit miteinander haben können. Viel zusammen erleben können, wovon wir beide noch Jahre später gerne erzählt hätten. Genauso ging es mir mit Oslo. Winter in Oslo oder eine missglückte erste Begegnung.

Denn eigentlich schreibe ich überhaupt nicht über eine Person, sondern über eine Stadt. Ich bin Ende des Jahres mit Mann und Freunden das erste Mal für ein paar Tage in Oslo und die ganze Zeit warte ich auf diesen Moment. Diesen Moment, der mir das Gefühl gibt, angekommen zu sein, ein neues Fleckchen Heimat auf dieser Erde gefunden zu haben. Das Gefühl von „ist das schön hier“. Gedanken wie „hier möchte ich gerne einmal länger bleiben“, vielleicht sogar „eine zeitlang leben“. Doch es kommt nicht. Nicht am ersten, nicht am zweiten, auch nicht am dritten Tag. Ich kann nicht wirklich sagen, woran es liegt. Die Stadt ist keinesfalls unattraktiv oder gar hässlich. Sie liegt sogar am Wasser, um genau zu sein am Meer und das liebe ich normalerweise.

Winter in Oslo – Sonnenaufgang | SOMEWHERE ELSE

Vielleicht ist es einfach die falsche Jahreszeit. Wobei ich mich schon darauf gefreut habe Oslo im Winter zu besuchen, seit ich den Artikel von Elke von Meerblog gelesen hatte. Die Fotos von Oslo im Nebel sind wunderschön. Vielleicht fehlt auch einfach nur der Nebel. Wir haben zwar Winter in Oslo mit Schnee, aber eben keinen Nebel.

Am Wasser im verschneiten Oslo

Ein Spaziergang durch die verschneite Stadt in sanftem Sonnenschein. Der erste richtige Schnee für mich in diesem Jahr. Entlang am Fluss Akerselva, das soll eine ganz hübsche Route sein. Auch wegen des Wasserfalls mitten in der Stadt. Der Akerselva fließt weiter ins Meer.

Winter in Oslo Stadtspaziergang | SOMEWHERE ELSE

Winter in Oslo Stadtspaziergang | SOMEWHERE ELSE

Winter in Oslo Stadtspaziergang Hunde im Schnee | SOMEWHERE ELSE

Winter in Oslo – Stadtspaziergang am Akerselva | SOMEWHERE ELSE

Winter in Oslo Stadtspaziergang Möwen | SOMEWHERE ELSE

Dort am Ufer befindet sich die Oper, ein imposantes Gebäude mit begehbarem Dach vom norwegischen Architektenbüro Snøhetta, weiß und eckig wie eine Eisscholle. Im Wasser treibt eine kleine künstliche Eisscholle. Eigentlich mag ich die skandinavische Kühle, diese Klarheit. Den Blick auf den Fjord. Doch hier passiert nicht viel.

Winter in Oslo – Oper | SOMEWHERE ELSE

Winter in Oslo – Oper Eisscholle | SOMEWHERE ELSE

Winter in Oslo – Portrait | SOMEWHERE ELSE

Obwohl ich meist ohne große Erwartungen auf Reisen gehe, um nicht enttäuscht und dafür umso mehr überrascht zu werden. Waren vielleicht doch die Erwartungen zu hoch? Nachdem ich ein halbes Jahr in Stockholm gelebt hatte und auch in diesem Jahr Kopenhagen erkundet habe. Die zwei hübschen Freundinnen, die so viel zu erzählen hatten. Vor allem mit Stockholm war ich sofort auf einer Wellenlänge. Auch wenn wir uns schon lange nicht mehr gesehen haben, bin ich mir sicher, dass sie mich noch immer verzaubert.

Im alternativen und kreativen Stadtteil Grünerløkka

Der Stadtteil Grünerløkka klang so vielversprechend. Ein ehemaliges Arbeiterviertel östlich vom Fluss. Alte Häuser, kleine Läden, Kunst, Design. Auch ein paar Cafés, nur zieht es mich in keines hinein. Doch der so durchdacht eingerichtete kleine französische Interior-Vintage-Laden Fransk Bazar ist ein kleiner Lichtblick. Zu hübsch, als dass ich eines der Objekte von seinem Platz hätte nehmen wollen.

Winter in Oslo – Fransk Bazar | SOMEWHERE ELSE

Winter in Oslo – Fransk Bazar | SOMEWHERE ELSE

Oslos Kulturviertel Vulkan

Das Stadtviertel Vulkan, ein ehemaliges Industriegelände, ist ein neues Stadtentwicklungsprojekt mit innovativer umweltfreundlicher Architektur und verspricht Street Art, alte Fabrikhallen, Cafés, Restaurants, Bars, Veranstaltungsräume und Hotels, sowie Wohnungen und Bürogebäude. Ein urbaner Flair.

Winter in Oslo – Vulkan Fabrikhallen | SOMEWHERE ELSE

Winter in Oslo – Vulkan Graffiti | SOMEWHERE ELSE

Markthalle, Restaurants und Cafés: Essen gehen in Oslo

Die Mathallen sind eine schicke, überdachte Markthalle mit feinen regionalen Spezialitäten, Fisch, Brot, Kaffee, Kuchen, Obst und Gemüse und vieles mehr.

Winter in Oslo – Mathallen | SOMEWHERE ELSE

Winter in Oslo – Mathallen | SOMEWHERE ELSE

Auf dem Vulkan-Gelände befindet sich auch die Hendrix Ibsen Cafébar und Plattenladen. Wir werfen nur einen kurzen Blick hinein, es sieht einladend aus, entscheiden uns wegen etwas Appetit doch für das Café La Crêpe d’Elen. Hier gibt es Crêpes, nach Originalrezepten aus der Bretagne, herzhaft und süß, in allen erdenklichen Varianten. Und Tische mit Schaukeln zum Sitzen. Leider gibt es hier für mich keine vegane Variante, die Crêpes sehen aber sehr köstlich aus und so schmecken sie wohl auch.

Winter in Oslo – La Crepe d’Elen | SOMEWHERE ELSE

Gleich am ersten Abend landen wir eher zufällig bei einem Mexikaner, dem Mucho Mas. Das kleine Restaurant ist voll besetzt, das Essen super lecker und die Bedienungen überaus freundlich. Falls du dich jetzt wunderst, wie wir auf die Idee kommen in Skandinavien zu einem Mexikaner zu gehen? Dazu muss ich dir wohl erklären, dass wir unsere Freunde auf der Weltreise in Mexiko kennengelernt haben. Seither haben Nachos mit Guacamole bei uns Tradition, wenn wir uns Wiedersehen. So auch in Oslo. Ich verrate dir auch noch was, dieses Mal ging das sogar soweit, dass wir uns in unserer Wohnung Guacamole gemacht haben. Ja, wir lieben sie und die Erinnerungen an Mexiko.

Jetzt aber wieder zurück nach Norwegen. Natürlich würde ich dir empfehlen, wenn du schon in Oslo bist, auch traditionell Fisch essen zu gehen. Micha und unsere Freunde haben sich im Supermarkt ein Stück Lachs gekauft, der verhältnismäßig günstig und wohl sehr, sehr lecker war.

In Grünerløkka gibt es auch eines der Kaffebrenneriet, eine Coffee-Shop-Kette. Viel Holz, Familien mit Kindern, leckeres Gebäck, belegte Brote, ein heißer Tee oder Kaffee dazu. So lässt sich ein dunkler Winternachmittag prima ausklingen.

Winter in Oslo – Concept Store YME Universe | SOMEWHERE ELSE

Winter in Oslo – Kaffebrenneriet Zimtschnecke | SOMEWHERE ELSE

Winter in Oslo – Kaffebrenneriet Backwaren | SOMEWHERE ELSE

In einer ganz anderen Ecke am Youngstorget, ist das Kulturhuset, ein Ort für kulturelle Veranstaltungen. Hier verbringen wir etwas Zeit im Café bzw. der Bar. Ja, ich gebe es zu, es gefällt mir. Es ist groß, aber gemütlich, mit einem bunt gemischten Publikum und schöner Musik.

Winter in Oslo – Kulturhuset | SOMEWHERE ELSE

Winter in Oslo – Kulturhuset | SOMEWHERE ELSE

Am letzten Abend gehen wir indisch essen. Nachdem ich bei Travel and get lost mehrfach vom indischen Restaurant Punjab Tandoori gelesen habe, wir auch zwei Mal im Viertel Grønland unterwegs waren und es dort immer so lecker nach indischen Essen riecht, gehen wir am letzten Abend dorthin. Das Restaurant ist zwar eher ein Imbiss, aber richtig gut besucht und das Essen ist auch wirklich sehr gut und recht preiswert.

Dazu muss ich wohl auch endlich einmal erwähnen, dass Oslo sehr teuer ist. Ganz besonders merkst du das natürlich beim Essengehen. So ist das nun einmal in Skandinavien, ganz besonders in Norwegen. Und nein, ich glaube nicht, dass das ein Grund für unsere fehlende Sympathie ist. Hey, ich habe in Stockholm und London gelebt, das hat mich auch nicht davon abgehalten die Städte zu lieben.

Skandinavisches Design: Mode, Möbel und Produkte

Ich gebe es zu, ich habe nur einen einzigen Concept Store betreten, aber wenn du eine adäquate Alternative zur Shopsammlung aus Kopenhagen suchst, bist du hier genau richtig: YME Universe in der Karl Johans Gatan. Sneaker, Accessoires, Mode von jungen skandinavischen bis zu etablierten Designern findest du hier auf mehreren Etagen. Außerdem gibt es im obersten Stockwerk einen Buchladen mit Café, der zum Schmökern in Designbüchern einlädt.

Winter in Oslo – Concept Store YME Universe | SOMEWHERE ELSE

Winter in Oslo – Concept Store YME Universe | SOMEWHERE ELSE

Winter in Oslo – Concept Store YME Universe | SOMEWHERE ELSE

Im Stadtteil Majorstuen werfen wir auch einen Blick in Pur Norsk AS, ein skandinavischer Designmöbelladen. Es gibt ein paar nette Produktdesigns, ein paar hübsche Möbel, aber der Laden löst bei mir kein Verzücken geschweige denn einen Wunschzettel-Kaufrausch aus.

Winter in Oslo – Pur Norsk AS | SOMEWHERE ELSE

Im Winter in Oslo Straßenbahnfahren als Stadtrundfahrt

Als uns unsere Füße nicht mehr tragen können, nehmen wir die Linie 19 und fahren einmal raus aus der Stadt am Fjord entlang den Berg hinauf durch Oslos Vororte und einmal in die andere Richtung in den Stadtteil Uranienborg mit seinen Altbauhäusern, den schönen Fassaden, schmiedeeisernen Gartenzäunen.

Sightseeing und Museumsbesuch

Bei unserem winterlichen Stadtspaziergang machen wir uns vorbei an einer kleinen Eislaufbahn auf den Weg zum Königlichen Schloss aus dem Jahre 1836. Von dort geht es weiter ans Meer zur Festung Akershus von 1299. Bei bitterkaltem Wind stapfen wir durch den Schnee über die alten Gemäuer mit Blick auf den Hafen. Meine Gefühle für die Stadt bleiben dem Wetter gleich eher eisig.

Winter in Oslo – Königliches Schloss | SOMEWHERE ELSE

Winter in Oslo – Festung Akershus | SOMEWHERE ELSE

Im Munch Museum ist aktuell die Ausstellung „Vigeland + Munch“ zu sehen. Die Ausstellung zeigt die vielen Parallelen der beiden Künstler Gustav Vigeland und Edvard Munch, der Bildhauer und der Maler, Grafiker auf farbigen Wänden. Jedes Werk im direkten Vergleich. Die konkurrierenden Künstler hinterlassen den Eindruck über die Jahre sehr genau gewusst zu haben, mit welchen Themen sich der andere auseinandersetzte. Hier ist auch eine der vier Variationen von der Schrei ausgestellt, die Lithographie von 1895.

Winter in Oslo – Der Schrei im Munch Museum | SOMEWHERE ELSE

Das Wikingerschiffmuseum Vikingskipshuset, die Nationalgalerie mit dem Schrei von Edvard Munch in der Temperaversion von 1910, der 2004 bei einem bewaffneten Raubüberfall aus dem Munch-Museum entwendet wurde, der botanische Garten, der Skulpturengarten im Vigelandsparken, der Holmenkollen mit der Skischanze und Aussicht über die Stadt, Eislaufen, Langlaufen oder Rodeln wären auch noch mögliche Optionen.

Übernachten in Oslo: Wohnung und Hotel

Airbnb: Ein echtes Highlight ist unsere Airbnb Wohnung. Eine kleine Zwei-Zimmer-Wohnung, liebevoll und stylisch eingerichtet. Sie könnte ein Wohnbeispiel für minimalen Raum in der Zeitschrift Couch sein.

Winter in Oslo – Airbnb Wohnung | SOMEWHERE ELSE

Winter in Oslo – Airbnb Wohnung | SOMEWHERE ELSE

Nach unseren ersten drei Übernachtungen in der Airbnb-Wohnung machen wir uns auf zu unserer Schlittenhundetour in Schweden. Auf dem Rückweg verbringen wir noch eine Nacht in Oslo, dieses Mal im Hotel.

Das Comfort Hotel Xpress Youngstorget ist eine gute Alternative zu Airbnb. Bunt gestaltet, minimaler Platz im Raum, kein Zimmerservice dafür zentral gelegen, mit Dachterrasse, Free Wifi und jungen Mitarbeiter, eignet es sich prima für eine Nacht.

Rückblickend gesehen, hatten wir zu viert eine schöne Zeit in Oslo. Wir waren viel unterwegs, haben viel probiert und angeschaut. Wir hatten Spaß, keine Frage. Nur dieses Gefühl von „hier würde ich gerne einmal leben“, dieses Gefühl davon ein neues besonderes Fleckchen auf dieser Erde entdeckt zu haben, das blieb einfach aus. Darum muss ich sagen, liebe Stadt Oslo, wir werden uns wohl nicht mehr Wiedersehen. Sei mir nicht böse, denn du kannst sicher sein, es gibt Menschen, die dich mehr zu schätzen wissen als ich. Die deinen Geschichten gerne lauschen, stundenlang, tagelang, vielleicht sogar ihr Leben lang und dabei glücklich sind.

Warst du schon in Oslo? Was sagst du zu dieser Stadt? Nach meinem Artikel, würdest du jetzt gerne nach Oslo reisen oder dann doch lieber nicht? Das interessiert mich brennend, schreib mir einen Kommentar.

Bei meinen Recherchen für diesen Artikel habe ich noch diesen sehr umfangreichen Guide für Oslo von Design Sponge entdeckt.

 

Illustration – Reiseblog | SOMEWHERE ELSE

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2 Kommentare

  1. Hallo Yvonne,

    das kenne ich! Mir ging es zum Beispiel mit Bangkok so der Funke wollte einfach nicht überspringen. Mittlerweile bin ich allerdings an einem Punkt angekommen wo ich sage ich werde der Stadt irgendwann eine zweite Chance geben…

    Aber dass Oslo dir nicht gefallen hat, kann ich bei den super schönen Fotos fast nicht nachvollziehen 🙂 Ich hab jetzt richtig Lust, dorthin zu reisen!

    Liebe Grüße
    Anna

    • Yvonne sagt am 17. Januar 2016

      Liebe Anna,

      wirklich interessant, in Bangkok war das bei mir überhaupt kein Thema. So verschieden nehmen wir neue Orte wahr. Finde ich gut, dass du der Stadt noch eine zweite Chance geben möchtest. Vielleicht sollte ich Oslo auch den Gefallen tun, irgendwann einmal …

      Danke für dein Kompliment! Ich gebe zu, dass ich natürlich trotzdem versucht habe mit schönen Bildern einen guten Überblick von Oslo zu verschaffen. Aber vielleicht ist das auch ein eindeutiger Beweis dafür, dass die schönsten Bilder eines Ortes nicht gleichzeitig bedeuten, dass wir letztendlich von diesem Ort auch in seinen Bann gezogen werden. Also falls du bald in Oslo bist, lass mich wissen wie es dir ergangen ist. Und wer weiß, vielleicht ist es bei dir sogar Liebe auf den ersten Blick …

      Liebe Grüße
      Yvonne

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