Leben in Kambodscha – Kinder angeln am Bach | SOMEWHERE ELSE
AUGENSCHMAUS

Leben in Kambodscha – Begegnung mit einem besonderen Mädchen

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Bei Kambodscha denken die meisten an Angkor. Du auch? Das ging mir vor meiner Reise in das Land genauso. Und die Tempelruinen sind der Hammer, absolut! Wer einmal in Angkor war, dem fällt es schwer sich für andere Tempelstätten genauso zu begeistern. Aber zurück zu Kambodscha, dem Land zwischen Thailand, Laos und Vietnam. Das eine inspirierende und erschreckende Geschichte in sich trägt.

Es hat noch mehr zu bieten als Tempel, Spiritualität, Symmetrie und Symbolismus. Das Land und damit meine ich das echte, das ländliche Kambodscha und seine Menschen sind wunderschön. Sie haben durch eine besondere Begegnung mein Herz erobert. Wie das passiert ist und warum ich danach die Welt mit anderen Augen betrachtet habe, erzähle ich dir in diesem Artikel über das Leben in Kambodscha. Mehr zum Thema Backpacking in Kambodscha findest du in einem umfangreichen Guide bei Faszination Südostasien.

Oder wie ich mich in ein Land und seine Menschen verliebt habe

Alles beginnt nach drei Tagen Tempelbesichtigung mit einer Fahrradtour. Einer Tour raus aus der Stadt Siam Reap in das ländliche Kambodscha. Durch Reisfelder und kleine Dörfer. Mit vielen Stopps für einen Eindruck vom alltäglichen kambodschanischen Leben auf dem Dorf, das zu den ärmsten der Welt zählt. Dann ist es passiert. Es ist alles Grün, ein so schönes Grün. Das Licht ist warm, ein sehr angenehmes Licht. Und da sind die Menschen.

Leben in Kambodscha – Grüne Felder | SOMEWHERE ELSE

Sie sind freundlich zurückhaltend, voller Wärme. Von unserem Tourguide Lot lernen wir, dass für die Begrüßung die Haltung der Hände entscheidend ist. Je nachdem ob sie auf der Höhe von Kinn, Nase, Stirn, Kopf zusammen gehalten werden, begrüßt du einen Freund, eine ältere Person, einen Mönch oder Gott. Eine weitere Besonderheit ist die Kombination der Treppenstufen vor dem Eingang der Häuser. Entweder drei, dann fünf oder sieben Stufen oder fünf und dann neun Stufen. Diese Kombinationen bringen Glück glauben die Khmer.

Leben in Kambodscha – Typisches Haus | SOMEWHERE ELSE

Das weckt meine Neugier und ich möchte mehr über dieses Land wissen, beginne über das Land zu recherchieren. Dieses intensive Bedürfnis hatte ich zuvor in Thailand, Laos und Vietnam so noch nicht. Aber hier in Kambodscha. Es nimmt mich mit, es berührt mich zu lesen, welch harte Zeit das Land hinter sich hat. Der Schreckensherrschaft der Roten Khmer folgen die vietnamesische Besatzung und jahrzehntelange Bürgerkriege. Eine Zeit, die erst knapp zwanzig Jahre zurückliegt. Die meisten Touristen, die sich nur Angkor anschauen, bekommen davon nichts mit. Ahnen davon nichts im geringsten. Denn die Menschen lassen sich davon nichts mehr anmerken. Leben ihre Leben, sind freundlich, lächeln schüchtern und habe sich ihre Herzlichkeit erhalten.

Leben in Kambodscha – Blüte im Grünen | SOMEWHERE ELSE

Die Begegnung mit einem Mädchen aus Kambodscha

Wenn ich ehrlich bin, beginnt meine Zuneigung für dieses Land tatsächlich schon in Angkor. Als ich in einem Tempel an einem kleinen Bachlauf ein Mädchen kennenlerne, vielleicht zehn Jahre alt. Sie fragt uns selbstbewusst nach einem Kaugummi. Erst bin ich etwas überrascht, woher sie weiß, dass wir einen Kaugummi haben und als ich den auspacke, kommen sofort ein paar andere Kinder dazu und strecken mir ihre Hand entgegen und ich verteile Kaugummis. Eigentlich möchte ich ihnen viel mehr geben. Bei den Kindern scheint allgemein bekannt zu sein, dass die westlichen Touristen Kaugummis haben.

Leben in Kambodscha – Bach und grüne Felder | SOMEWHERE ELSE

Dann fällt mir die Flasche in der Hand des Mädchens auf. Sie ist mit Wasser gefüllt und darin sind drei, vier kleine Fische. Ich frage sie, was sie denn mit den Fischen vor hat, ob sie die nicht lieber wieder freilassen möchte. Sie schaut mich kaugummikauend ganz entgeistert an und meint nur: „Nein, die esse ich später!“ Völlig überrascht über diese Antwort schäme ich mich im nächsten Moment für meine Naivität. Klar, die meisten Menschen sind hier arm und dieses Mädchen hat mit einer Flasche, einer selbstgebastelten Angel oder den bloßen Händen ein paar Fische gefangen, ich weiß es nicht wie. Natürlich verfolgt sie damit einen bedeutenderen Zweck als die Fische zum Spielen mit nach Hause zu nehmen.

Im nächsten Moment bin ich sehr beeindruckt von diesem Mädchen, von ihrem Selbstbewusstsein, ihrem forschen Blick, dem direkten Augenkontakt, den sie mit mir hält, obwohl ich zwei Köpfe größer bin. Von ihrer offenen und „Gerade-heraus-Art“, ihrer Ausstrahlung. So war ich nicht einmal im Ansatz in diesem Alter. Das löst bei mir großen Respekt aus.

Auf meine Frage, warum sie an diesem Vormittag nicht in der Schule ist, meint sie nur, dass heute keine Schule sei. Das glaube ich ihr nicht und finde es schade, dass dieses kesse Mädchen vielleicht keine regelmäßige Schulbildung genießt. Vielleicht weil sie ihre Eltern unterstützen muss. Da hoffe ich sehr, dass sie sich ihre Stärke bewahrt und sie weiterhin im Leben tut, was sie für richtig hält, sich nicht beirren lässt. Die Chance bekommt etwas Tolles aus ihrem Leben zu machen.

Manchmal denke ich an sie, wenn etwas gerade nicht so toll läuft. Dann fühle ich mich automatisch stärker und sehr selbstbewusst. Auch wenn sie noch ein Kind ist, ist das Mädchen durch unsere kurze Begegnung ein weibliches Vorbild für mich geworden.

Leben in Kambodscha – Typisches Haus | SOMEWHERE ELSE

Zurück zu unserer Fahrradtour und dem Leben in Kambodscha

Unser Fahrradguide Lot fährt mit uns aus Siem Reap hinaus, auf Feldwegen entlang von Bachläufen. Nur nach kurzer Zeit sind wir auf dem Land. Er zeigt uns den Anbau von verschiedenem Gemüse, wie Mais, Gurken, Chili, Blumenkohl. Außerdem besuchen wir Reisbauern bei der Arbeit auf ihrem Feld. Landleben pur. Kühe, Wasserbüffel, eine Schar Enten.

Leben in Kambodscha – Anbau von Chili | SOMEWHERE ELSE

Leben in Kambodscha – Gurken auf dem Feld | SOMEWHERE ELSE

Leben in Kambodscha – Maisernte auf dem Motorroller | SOMEWHERE ELSE

Leben in Kambodscha – Kühe| SOMEWHERE ELSE

Leben in Kambodscha – Wasserbüffel | SOMEWHERE ELSE

Leben in Kambodscha – Entenschar | SOMEWHERE ELSE

Leben in Kambodscha – Menschen arbeiten auf einem Reisfeld | SOMEWHERE ELSE

Leben in Kambodscha – Reispflanze im Detail | SOMEWHERE ELSE

Leben in Kambodscha – Reisfeld auf dem Land | SOMEWHERE ELSE

Ein kulinarisches Highlight ist der lokale Markt in einem kleinen Dorf. Wir tauchen ein in das alltägliche Leben in Kambodscha. Hier gibt es was du dir an frischem Obst und Gemüse nur wünschen kannst: Bananen, Melonen, Bananenblüten, Salat, Karotten, Tomaten, Zwiebel, Paprika, Mango, Ingwer, Kohl.

Leben in Kambodscha – Auf dem Markt | SOMEWHERE ELSE

Leben in Kambodscha – Melonen auf dem Markt | SOMEWHERE ELSE

Leben in Kambodscha – Bananenblüten auf dem Markt | SOMEWHERE ELSE

Leben in Kambodscha – Gemüse auf dem Markt | SOMEWHERE ELSE

Lot führt uns herum und wir probieren verschiedene Süßigkeiten wie Reiskuchen, Popcorn und frittierten Reiskuchen (Fried Cake). Den bekommen wir frisch zubereitet und noch heiß auf Tellern serviert, dazu frisches Obst. So lecker! Der Teigball ist innen hohl, knusprig und leicht süß. Das ist es was ich an einem Marktspaziergang so liebe. Die Möglichkeit in das Leben vor Ort einzutauchen und in den Genuss von landestypischen Leckereien zu kommen.

Leben in Kambodscha – Popcorn auf dem Markt | SOMEWHERE ELSE

Leben in Kambodscha – Frittieren von Reiskuchen | SOMEWHERE ELSE

Leben in Kambodscha – Frittierter Reiskuchen | SOMEWHERE ELSE

Leben in Kambodscha – Obst auf dem Markt | SOMEWHERE ELSE

Im Gegensatz zu den Kindern wirken die Erwachsenen auf dem Markt eher schüchtern, freundlich mit einem Lächeln im Gesicht, voller Wärme, aber zurückhaltend. Vielleicht haben sie Berührungsängste mit Reisenden aus dem Westen? Vielleicht sind die Erinnerungen an die jüngste Geschichte doch noch stark im Unterbewusstsein verankert? Vielleicht sind die Sorgen die Familie ernähren zu können zu groß? Der Wunsch, dass die eigenen Kinder es einmal besser haben werden scheint unerreichbar?

Leben in Kambodscha – Marktverkäufer an seinem Stand | SOMEWHERE ELSE

Leben in Kambodscha – Reiskuchen auf dem Markt | SOMEWHERE ELSE

Leben in Kambodscha – Marktfrau an ihrem Stand | SOMEWHERE ELSE

Das sind nur Vermutungen, ich weiß es nicht. Aber ich bin beeindruckt. In Deutschland habe ich oft den Eindruck, die Menschen beschweren sich über jede Kleinigkeit, sind ständig und mit allem unzufrieden. Und uns geht es verdammt gut! Hier haben die Menschen zum Teil Schreckliches erlebt, sind arm und trotzdem halten sie an ihrer freundlichen Art fest, strahlen Wärme aus und lächeln.

Eine Gruppe von Kindern auf der Straße. Dieses Mal sind sie etwas schüchtern, aber trotzdem neugierig und freudig am Lachen. Ganz stolz hantiert der kleinste Junge von ihnen mit einem selbstgebastelten Drachen. Ich bekomme immer mehr den Eindruck, dass hier viele Kinder so sind: Kleine Überlebenskünstler, die für ihr Alter schon sehr genau wissen, was sie wollen. Sich ihr Leben selbst gestalten aus den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln.

Leben in Kambodscha – Kinder auf unserer Fahrradtour | SOMEWHERE ELSE

Leben in Kambodscha – Junge mit gebasteltem Drachen | SOMEWHERE ELSE

Erkenntnisse einer Reisenden

Eigentlich schade, dass mir all diese Erkenntnisse erst lange nach der Begegnung mit dem Mädchen kommen, ich war im Dezember 2013 in Angkor. Ich werde ihr wohl nie mitteilen können, wie sehr sie mich beeindruckt hat. Deshalb hoffe ich einfach, andere Menschen sagen ihr das oder etwas ähnlich Positives. Ich habe auch kein Foto von ihr. Unsere Begegnung ist nur in meinen Erinnerungen festgehalten, und die ist mir bis heute so intensiv und klar geblieben, wie kurz danach.

Dankbar bin ich für diese Begegnung auch, weil sie eine dieser Erfahrungen war, die meinen Horizont erweitert haben. Genau das ist es, was ich meine, wenn ich davon spreche, dass das Reisen eine andere Sicht auf die Dinge mit sich bringt. Die Menschen erzählen oder zeigen dir, was ihnen wirklich wichtig ist und für was sie sich begeistern. Mein Appell an dich, tritt in Kontakt mit Einheimischen, tausche dich mit ihnen aus. Du kannst so viel lernen und genauso viel an sie zurückgeben von deinem eigenen Erfahrungsschatz, deiner Zeit. Ein Geben und ein Nehmen. Ein ewiges Dazulernen, die Welt mit anderen Augen zu betrachten.

Reist du mit offenen Augen und suchst den Kontakt zu Einheimischen? Welche Erfahrungen hast du damit gemacht? Erzähl mir davon in den Kommentaren.

Informationen zur Fahrradtour:
Mit Grasshopper Adventures
Start in Siam Reap, halbtägig, Länge: 30 km

Dieser Artikel nimmt teil an der Blogparade Reisebegegnungen von Ariane von Heldenwetter.

Illustration – Reiseblog | SOMEWHERE ELSE

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3 Kommentare

  1. Pingback: Reisebegegnungen. Aufruf zur Blogparade - heldenwetter

  2. Was für eine schöne Begegnung mit dem Mädchen 🙂 Solche Momente bleiben im Gedächtnis! In Peru habe ich damals längere Zeit mit Kindern in Dörfern südlich von Lima gearbeitet, da wir dort an Schulen ein Projekt durchgeführt haben. Wir haben dann beispielsweise Biogärten in den Schulen angelegt, in denen die Kinder Obst und Gemüse anbauen konnten. Da war ich auch hin und wieder ziemlich baff von den Kleinen. Bei Dingen, bei denen wir uns anstellten, wie der erste Mensch, hatten sie sofort eine Lösung parat, und insgesamt hatten sie einfach so viel praktisches Verständnis – da hat man gemerkt, wer mit seinen Eltern wahrscheinlich schon mal ein Haus gebaut hat… Auf Spanisch gibt es dafür auch ein Wort, „listo“, das heißt so viel wie „clever“ 😉 Mir hat es teilweise sehr leid getan, dass diese Kinder realistisch gesehen keine Chance darauf haben, jemals eine Universität zu besuchen oder einen „angesehenen“ Job zu finden, und dass sie teilweise bereits als Kinder nachts arbeiten, dazu schlecht ernährt sind – und so nicht mal von der Schule viel mitkriegen.

    Vielen lieben Dank für deinen tollen Beitrag zu meiner Blogparade!

    • Yvonne sagt am 28. Mai 2016

      Danke, liebe Ariane! Auch für die tolle Idee deiner Blogparade!

      Da stimme ich dir zu. So beeindruckend es ist, wie clever die Kids meist sind und wie praktisch sie denken, so traurig ist es, dass sie nicht einfach nur in die Schule gehen und lernen können, um später eine Berufsausbildung oder ein Studium zu machen. Stattdessen müssen sie ihre Familie unterstützen und arbeiten. Aber ein Projekt wie deines an der Schule in Lima hilft sicher den Kindern auch andere Möglichkeiten kennenzulernen und wenn nur ein kleiner Teil von ihnen dadurch doch studiert, ist das schon ein Schritt in die richtige Richtung. Toll, dass du das gemacht hast! Das war bestimmt auch eine wertvolle Erfahrung für dich.

      Liebe Grüße
      Yvonne

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